Der Umwelt zuliebe: Plastik für eine Handvoll Shitcoins – Cloud Horizon

Cloud Horizon

Cloud Horizon – Zwei Fliegen mit einer Klappe: Altplastik loswerden und Öl gewinnen. Das klingt vielversprechend und damit will das Unternehmen Investoren locken. Aber kann und wird Cloud Horizon solche Pläne tatsächlich umsetzen?

Die Verschmutzung unserer Umwelt durch Plastikmüll hat eine Dimension erreicht, die keinen Konsumenten mehr kalt lässt. Man macht sich Gedanken, wo man im Alltag Plastik vermeiden kann und möchte aktiv an der Verminderung des Problems mitwirken.

 

Diese Grundgesinnung machen sich natürlich auch Firmen zu nutze, um ihre Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen. So weit so gut. Ich bin über ein solches Unternehmen gestolpert, wo mich folgender Grundgedanke angesprochen hat: mach doch aus altem Plastikmüll wieder Öl und schließe diesen Kreislauf. Außerdem hat es auch irgendwie mit Krypto zu tun. Tolle Sache! Mein Interesse wurde geweckt. Hier möchte ich über das berichten, was ich ausschließlich aus offiziellen Quellen (siehe Hinweis am Ende) zusammengetragen habe. Viel Spaß beim Lesen!

Die Firma heißt Cloud Horizon und ihr Slogan lautet: Opportunity for a better World! Super, dachte ich mir, nicht nur, dass ich hier aktiv meinen Umweltgedanken ausleben kann, nein ich werde auch noch belohnt für mein Netzwerk und kann nebenbei auch noch finanziell unabhängig werden! Was für Aussichten in dieser neuen Plastik zu Öl Umweltbranche! Aber wie soll das gehen? Für einen technischen Laien wie mich sind das ganz viele neue Informationen…

Erste Informationen einholen

Wenn man „Plastik zu Öl“ googelt fällt auf, dass die Idee nicht neu ist und sich bereits etablierte Unternehmen wie zB die OMV seit über 3 Jahren damit beschäftigen – hier ein KURIER Artikel vom 11.4.2019 https://kurier.at/einfache-sprache/die-omv-macht-erdoel-aus-alten-plastik-bechern/400463725 . Die OMV prognostiziert eine Kapazität bei Vollausbau von 48 Tonnen Plastikmüll pro Tag, welche in 48.000 Liter Öl gewandelt werden können.

Eine thailändische Firma auf dem Weg zum Weltmarktführer?

Sepco Industries Co. Ltd aus Thailand verspricht nach Eigenaussage die längste Expertise (seit 15 Jahren wird geforscht) in diesem Bereich und hat auch gleich das effizienteste System und die angeblich größte Maschine parat. Die Kapazität der ersten Maschine umfasst 20 Tonnen Plastik pro Tag und somit einen Öloutput von 15.000 Litern. Insgesamt will man im Endausbau auf 50 Stück dieser Plastikumwandler kommen. Alles im Namen von Sepco und am Standort rund um Bangkok/Thailand.

Das know how ist vorhanden. Die erste Maschine läuft und wird auch fleißig vor Ort besichtigt. Was wird gebraucht? Richtig – Geld – viel Geld. Der Maschinenpreis wird mit ca. 3 Mio USD pro Stück angegeben. Das heißt im Vollausbau ist mit einem Finanzierungsbedarf von 150 Mio USD zu rechnen.

Gut dass das Thema Plastikmüll in den weltweiten Schlagzeilen ist, denn so ein gutes Verkaufsargument bei potenziellen Investoren lässt man nicht ziehen. Damit das kollektive Geldeinsammeln so richtig ins Laufen kommt soll ein MLM (mulit-level-marketing) Vertriebsmodell bei der Beschaffung der Geldmitteln helfen. Ein ausgeklügeltes System (man könnte auch komplex oder kompliziert sagen) aus drei und mehr Ebenen, wo das Ziel ist: 1) selbst zu investieren und 2) weitere Investoren zu bringen.

Wenn man da noch denkt, dass ein Vertrieb per se nix schlechtes bedeutet gebe ich Recht, jedoch darf ich den Investitionskreis mehr verdeutlichen, da nach den mir vorliegenden Informationen NIEMAND direkt in die Maschinen oder in Sepco Industries Co. Ltd investiert!

Wie kauft man sich dann ein?

„Relativ“ einfach – man kauft ein Paket (von EUR 165,– bis EUR 5.000,– bzw. noch mehr) der Postkastenfirma Cloud Horizon Ltd. auf den Cayman Island. Natürlich nicht ohne Sponsor bzw. Vertriebsmittelsmann!

Leider erwirbt man mit dem Paket weder Anteile an Sepco, noch an der Maschine, noch am produzierten Öl, noch an der Cloud Horizon Ltd. – es sind Reise- bzw. Hotelgutscheine und ein FPT (free performance token) iHv dergleichen Summe des Paketes. Sprich 165 EUR = 165 FPT und diese sind aber wiederum 165 Stück Orientum+ Token wert! Das Verhältnis Euro zu Token wird mit der Zeit schlechter werden, daher die Bitte vom Vertrieb, möglichst bald einzusteigen.

Das ist gut so, denn der geschätzte dzt. Wert des Token ist 0,02 und hat direktes Kurspotenzial laut den Vertriebsvideos auf 0,25 (ob USD oder EUR wissen wir zu diesem Zeitpunkt nicht genau, weil der Token noch auf keiner offiziellen oder inoffiziellen Exchange gelistet ist und noch kein Handel stattfindet).

Die Cloud Horizon Ltd. hat „vertragliche Abkommen“ mit der Sepco Industries Co. Ltd, wo sie das eingesammelte Geld für den Bau der neuen Anlagen zur Verfügung stellt. Wieviel genau von welchen Einzahlungen bleibt unbekannt. Dies ist ein wesentlicher Punkt, da der Vertrieb ja bezahlt werden will und meistens bei MLM Systemen hier mit Kosten zw. 30 und 50% gerechnet werden muss. Das heißt abzgl. fixer Vertriebsanteile kommen vom eingesammelten Geld schätzungsweise, falls überhaupt, nur 40 bis 50% an. Das heißt man muss ca. 6 Mio USD aufbringen um eine Anlage mit 3 Mio USD zu finanzieren. Eine doppelt so hohe Summe. Wie gesagt, man weiß aber gar nicht, ob die Kosten wirklich 3 Mio USD betragen oder es diese Anlagen auch deutlich billiger gibt.

Reich durch Plastik?

Gut – wir haben Euro gegeben und Reisegutscheine sowie FPT und den Orientum+ (ORTP) Token erhalten. Letzterer ist besonders wertvoll, da er mit dem produzierten Öl „hinterlegt“ ist und jeder der in diesem Ölkreislauf dabei ist, nur mit dem ORTP das Öl kaufen und verkaufen kann und somit eine stabile Nachfrage je nach Produktion anlaufen kann, was sich deutlich positiv auf den Preis auswirken wird, oder? In welchem Verhältnis der Öloutput in ORTP gegeben wird, ist leider nicht ersichtlich.

Schaut man sich Orientum+ Token mal genauer an, fällt sofort der technische Standard ERC20 auf. Tausende neuer Token mit neuen Geschäftsmodellen bedienen sich dieser einfachen Blockchaintokentechnologie auf Ethereum Basis. Das Gute daran, alle Token auf diesem Standard können open source über Blockchain Explorer wie Etherscan.io abgefragt werden. Tut man dies, tritt schon das erste Problem auf – bei Suche auf https://etherscan.io/ nach Orientum kommen insgesamt 7 verschiedene Token. Welches ist der richtige? Ok – es gibt zwei verschiedene Orientum+ Token – beide mit in Summe 40 Milliarden Stück an Token. Der eine hat nur zwei aktive Adressen, der andere ca. 7.500 mit ca. 20.300 Transaktionen. Eindeutig und Einzigartig sieht für mich anders aus.

Wir erinnern uns, der Token soll aktuell einen angeblichen Wert von 0,02 haben. Bei 40 Mrd Stück würde dies einen Marktwert von 800 Millionen ergeben. Wer hält also die ganzen Token? Laut Vertriebsvideo von Herrn Frank Ricketts – seines Zeichens der CEO von Cloud Horizon Ltd. auf den Cayman Islands (Vorsicht! Sie werden ihn dort nicht am Schreibtisch antreffen, da das offizielle Büro ca. 13.000 km entfernt in Dubai angesiedelt ist – der Grund bleibt unbeantwortet) halten 50% Cloud Horizon Ltd. – 25% Sepco Industry & 25% Orientum selbst (Wer soll das sein? Gibt es eine separate Firma? – nix gefunden…). Zur Vorgeschichte von Herrn Ricketts will ich hier nicht viel Stellung beziehen – Dr. Google hilft und schlägt sofort die Brücke zu einem der weltweit größten SCAM Projekte: OneCoin. Sehr auffällig ist auch, dass sich diese Tokenverteilung NICHT in der Verteilung auf Etherscan.io widerspiegelt. Das heißt beim ORTP liegen zB 48,7% der Token auf der Wallet mit den meisten Token gefolgt von 46,7%. Das heißt über 95% des Gesamtbestandes sind über zwei Wallets „verteilt“. Passt das zum vermittelten „Verteilungsbild“?

Bei „Kursanstieg“ auf 0,25 katapultiert sich der ORTP von null auf Platz 3 aller Kryptowährungen mit einer möglichen Marktkapitalisierung von über 10 Milliarden. Bei aktuellem Marktpreis repräsentiert diese Marktkapitalisierung ca. 26 Mrd Liter Öl. Dafür müssten alle 50 Anlagen ca. 95 Jahre lang produzieren! Es ist aber erst 1 Anlage in Betrieb!

Der Wert eines Token

Wie wird der Wert eines Token bemessen? Wer ist die ausgebende Stelle? Wer hat den Code geschrieben bzw. in Auftrag gegeben? Wer hält die Private Keys der beiden größten Wallets mit ca. 95% der Token? Warum gerade 40 Milliarden Stück? Wer sichert die Investoren ab, dass es nicht ab morgen 80 Milliarden Stück gibt? Soviele Fragen und keine Antworten.

Im Normalfall setzt sich der Wert zB beim Bitcoin an über 100 verschiedenen weltweiten Handelsplätzen durch Angebot und Nachfrage zusammen. Beim ORPT? Wer sagt, dass der Wert heute 0,02 und morgen 0,0275 ist? Wer bestimmt das und nach welchen Regeln? Wenn wirklich das Öl dahinter steckt, müßte es einen Proof of Origin geben, wonach der Output für alle im Netzwerk ersichtlich erzeugt wird und dann der Verkauf auf dessen Basis stattfinden kann. Stattdessen gibt es diesen lächerlichen Shitcoin, der für Lau (bzw. um ein paar Tausender) programmiert wurde und der den weltweiten Investoren präsentiert wurde und für alle Marketingshows und mögliche Business Case Rechnungen herhalten muss.

Tokenlisting und Marktpreise sowie Kapitalisierung unter https://coinmarketcap.com/ – die weltweite Nr. 1 in der Darstellung des Kryptomarktes. Apropo – der ORTP fehlt in dieser Aufstellung komplett. Er ist somit nicht „offiziell“ bekannt oder gehandelt.

Spätestens bei diesen Zahlen kommt mir ein Gedanke in den Sinn: Betrug? Warum dieses ganze Konstrukt? Warum kein normales Crowdfundingprojekt durch Sepco und Direktinvestment bzw. Ausschüttung als Rendite durch Ölverkauf in USD. Dazu braucht es keinen Token! Einfach Firmenanteile aufteilen – investieren und am Wertanstieg durch die normalen Firmenerlöse mitpartizipieren. Fast keine Vertriebskosten und vom Investbetrag kommen ca. 90% statt der 40% in der Firma an.

Mein persönliches Fazit

Über den Autor

Matthias Reder

Speaker, Compliance/AML Officer Coinfinity, Krypto Anwendungsberater, Gründer Bitcoin Hub, Blockchain Advisor
Mehr über und von Matthias auf LinkedIn

Wenn man hier der Umwelt helfen will, sitzt man auf Reisegutscheinen und Shitcoins ohne inneren Wert. Die Komplexität und die hoch ambitionierten Kursziele des Token sollen zum raschen Invest verleiten. Es gibt starke Parallelen zum bekannten Scam von OneCoin – im Strukturaufbau sowie auch im vertrieblichen Vorgehen. Vor kurzem wurde sogar ein Vertriebsbüro mit Standort in Wien für den weltweiten Support der Vertriebsmannschaft in Aussicht gestellt.

Daher mein Fazit: Finger weg von diesem Projekt bzw. dem ORTP Shitcoin und seiner Klone!

Wer wirklich ein Invest machen möchte, sollte zur OMV gehen bzw. sich deren Aktien zulegen. Die Umwelt wird durch Cloud Horizon definitiv nicht profitieren – eher die Hintermänner, welche unseriös um ein paar Millionen reicher werden.

Quellen und Hinweise

Alle meine Informationen wurden sorgfältig aus offiziellen Quellen (offiziellen Homepage der Socium Consortium/Cloud Horizon Ltd/Sepco Industries Co. Ltd./Eltron LLC/Digital Distinct Enterprise Co. Ltd., Vertriebsvideos auf youtube) entnommen und zusammengefügt. Es ergibt für mich ein absolut verzerrtes Bild einer Investition über 3 Kontinente und zahlreichen weltweit agierenden Firmen. Die wirtschaftlichen Eigentümer bleiben bis auf die Vertriebsgurus im Hintergrund verborgen.

Offizielle Verträge zwischen den Firmen gibt es nicht bzw. sind nicht einsehbar. Anwendbares Recht für Investoren iS Konsumentenschutz – hier leider totale Fehlanzeige, da sogar beim Paketinvestment darauf hingewiesen wird, dass kein Investment verkauft und es sich nicht um ein Investment Unternehmen handelt (Cloud Horizon Ltd.). Das Investmentkonstrukt ist komplex gewählt und verwischt elegant Spuren durch Firmen- und Blockchain-Tokenkonstrukte. Dieses Vorgehen ist aus meiner Sicht bewußt gewählt.

Macht euch gerne euer eigenes Bild. Aus meiner nunmehr vierjährigen Erfahrung zeigt das beschriebene System bzw. die Vorgehensweise eine hochgradige Ähnlichkeit zu Hunderten bereits stattgefundenen Scam oder Shitcoinprojekten.

Update 19. Oktober 2019

Video zum Thema Cloud Horizon

Der Autor dieses Artikels, Matthias Reder, hat zusätzlich ein Video zu Cloud Horizen erstellt, was wir unseren Leser nicht vorenthalten wollen.

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3 Antworten

  1. Liebe Kryptofreunde,
    mein Artikel hat mir die letzten Tage einige neue „Freunde“ gebracht.
    Ihnen zur Freude nun auch der Artikel als Video!
    Freue mich über eure Kommentare!
    Beste Grüße
    Matthias

    https://www.youtube.com/watch?v=109MqqexUNg

  2. Avatar Martina Weiss sagt:

    Die haben weder Produktionsstätten, noch Maschinen. Da wird nur Geld abgezockt von naiven Anlegern.

  3. Avatar Mario Kant sagt:

    Ich bezweifle, dass hier auch nur ein Gramm Plastik in Öl umgewandelt wird. Das einzige, was funktionieren wird, ist das Einsammeln von Geld.

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